Anaga-Gebirge: Auf alten Pfaden durch den dichten Lorbeerwald

Wenn feuchte Passatwolken an den schroffen Graten hängen bleiben, erwacht der älteste Wald der Insel zum Leben. Hier erfährst du, wie du das Biosphärenreservat achtsam und sicher erwanderst.

WANDERN & NATUR

10/31/20262 min read

Wer am frühen Morgen von La Laguna aus in die Höhenzüge des Anaga-Gebirges hinauffährt, erlebt oft einen dramatischen Landschaftswechsel innerhalb weniger Minuten. Die Luft kühlt spürbar ab, Nebelschwaden ziehen zwischen knorrigen Baumheiden hindurch und der Duft von feuchtem Moos und Eukalyptus liegt schwer in der Luft. Als studierter Geograf fasziniert mich dieses Mikroklima seit 18 Jahren immer wieder aufs Neue, denn der Nordosten Teneriffas funktioniert nach seinen ganz eigenen meteorologischen Gesetzen.

Das faszinierende Phänomen des horizontalen Regens

Der üppige Lorbeerwald, der sogenannte Bosque de Laurisilva, verdankt seine Existenz den beständigen Nordostpassaten. Die feuchten Luftmassen treffen auf die über tausend Meter hohen Gebirgskämme und kondensieren an den Blättern der Bäume, was als sogenannter horizontaler Regen stetig den Waldboden speist. Wer hier wandert, sollte feste Wanderschuhe mit tiefem Profil wählen, da die lehmigen Pfade selbst nach sonnigen Tagen stellenweise rutschig bleiben.

Routenwahl und Genehmigungen für empfindliche Schutzzonen

Für klassische Rundwanderungen bietet sich der Ausgangspunkt rund um Cruz del Carmen oder das Bergdorf Chamorga an. Achte unbedingt darauf, dass besonders geschützte Zonen wie El Pijaral einer vorherigen kostenlosen Genehmigung der Inselregierung bedürfen, um die seltenen Riesenfarne vor Trittschäden zu bewahren. Bleibe auf den markierten Pfaden und plane deine Rückkehr stets vor Einbruch der Dämmerung ein, da dichter Nebel die Orientierung in den Schluchten schnell erschweren kann.

Ausrüstung und Respekt vor den Bergdörfern

Eine winddichte Regenjacke gehört selbst im Hochsommer in jeden Tagesrucksack für das Anaga-Gebirge. In abgelegenen Weilern wie Taganana oder Afur schätzen die Einheimischen ruhiges Auftreten und ein freundliches 'Buenos días'. Kehre nach deiner Tour in einer der kleinen Dorfbarkneipen ein und probiere Ziegenkäse aus der Region, anstatt Müll in der Natur zu hinterlassen.